Dankesrede für die Preisträger*innen am 22.11.2017

Sehr geehrte Damen und Herren der Bürgerstiftung, sehr geehrte Festversammlung,

zum 20 jährigen Jubiläum vergibt die Bürgerstiftung den Ehrenpreis an Ehrenamtliche der Flüchtlingshilfe in Gütersloh. Das hat uns ausgewählte Vertreter aus der großen Unterstützerschar überrascht, erfreut, ja sogar angerührt. Wir danken sehr für die wertschätzende persönliche Berücksichtigung.


Gleichzeitig möchten wir Ihnen, verehrte Damen und Herren der Bürgerstiftung, unsere
Hochachtung ausdrücken:
- Gegen den vorherrschenden Trend lenken Sie die Aufmerksamkeit auf die schutzwürdigen Interessen der Geflüchteten.
- Sie würdigen die Arbeit der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe und ermutigen uns.
- Gleichzeitig senden Sie damit ein humanitär politisches Signal gegen flüchtlingsfeindliche Stimmungen in die Stadt hinein.
Dafür sprechen wir ihnen von Herzen Dank und Anerkennung aus.


Öffentliche Belobigungen durch Politiker aus Bund, Land und Stadt hören wir Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe nicht mehr so oft. Dabei sind Ermutigung und Beistand dringlicher als je zuvor.
Schließlich erleben wir oft hautnah, wie sich inhumane – auch für uns nicht nachvollziehbare - politische und juristische Entscheidungen auf die betroffenen Flüchtlinge auswirken. Junge Männer, die engagiert ihre Integration weit vorangetrieben haben, werden nach Afghanistan zurückgeschickt, wo es laut UN-Flüchtlingskommissar keine sichere Region gibt.
Können Sie sich vorstellen, was es mit Unterstützern macht, wenn sie sich von geschätzten Menschen verabschieden müssen mit der Befürchtung, dass diese ihre Rückkehr vielleicht nicht lange überleben?

Ehrenamtliche helfen Geflüchteten, Familientrennung auszuhalten oder besser noch zu
beenden. Ehe und Familie stehen unter besonderem Schutz des Staates, nicht nur deutsche.
Nach dieser Maxime des Grundgesetzes unterstützte eine Kollegin auch logistisch einen syrischen Vater, der nach zwei Jahren nicht mehr auf den Nachzug seiner in Nordgriechenland festsitzenden Frau und der beiden Kinder warten konnte. Mit ihrer Hilfe, die zahlreiche Telefonate mit Unterstützergruppen in Griechenland
einschloss, konnte er seine Familie wiedersehen und dort selbst tätig werden, um die Hoffnung auf Zusammenleben zu erhalten.


In Europa getrennte Flüchtlingsfamilien haben einen Rechtsanspruch auf Vereinigung innerhalb eines halben Jahres. Aber: Von den in den ersten 3 Quartalen in der BRD zugesagten Familienzusammenführungen aus Griechenland wurden gerade mal 6,5 % umgesetzt.
Wenn ich die Frage an mich heran lasse: Was würde ich als Vater oder Opa in einer solchen Situation alles tun?, bekomme ich ein Gespür dafür, was Flüchtlingsfamilien durchmachen und an welchen Lasten Unterstützer*innen oft mitzutragen haben.

Dabei sind andere Familien noch schlimmer dran:
- Familienmitglieder sitzen außerhalb der EU z.B. in der Türkei fest.
- Gerade erwachsen gewordene Kinder haben keinen Rechtsanspruch auf Nachzug, junge Frauen müssen deshalb allein in Kriegsgebieten zurückbleiben.


Ehe und Familie stehen unter besonderem Schutz des Grundgesetzes, nicht nur deutsche. Und Gütersloh ist als familiengerechte Kommune zertifiziert. Das ist prima.
Von der Verwaltung der Stadt wünschen wir uns sehr, dass sie sich in Einzelfällen z.B. für
den Nachzug junger Erwachsener stark macht. Unsere familiengerechte Kommune könnte sich damit einen besonderen Stern in dieser Kategorie verdienen.
Unabhängige Flüchtlingsberatung und Betreuung von Geflüchteten mit besonderen Hilfebedarfen durch Sozialarbeiter müssen dauerhaft sicher gestellt werden. Die zu bearbeitenden Probleme sind mit der sinkenden Zahl neu ankommender Flüchtlinge nicht vom Tisch. Vielmehr werden die Bedarfe an Beratung, intensiver Betreuung und Therapie ebenso deutlicher wie die Auslastung der Hauptamtlichen bei Stadt und freien Trägern, die am Rande der Überforderung arbeiten.


Viele hier Schutz suchende Flüchtlinge sind inzwischen in Wohnungen untergebracht, die – abgesehen von der Lage oft weit draußen - ihren Wünschen nahe kommen. Aber: fast die Hälfte der Plätze in städtischen Unterkünften für Asylbewerber werden belegt von anerkannten Flüchtlingen, die keine Wohnung finden.
Auf die frei werdenden Wohnungen der Engländer nach der Aufgabe des Militärflughafens weisen wir seit 2014 hin. Der lange Leerstand wegen der sich über Jahre hinziehenden Abwicklung übersteigt mein Vorstellungsvermögen. Trotz großem Bedarf an Sozialwohnungen nicht nur für Flüchtlinge zögert die Stadt hier zügig zuzugreifen - besorgt, der Kauf von Wohnungen aus dieser Masse könne vielleicht auf Dauer nicht wirtschaftlich sein. Bezahlbare Wohnungen zur Verfügung zu stellen,- notfalls auch öffentlich subventioniert –
halten wir gerade in Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen auch als Integrationsleistung für dringlich geboten.


Zu diesem feierlichen Anlass sind heute viele von Ihnen als private Spender oder Förderer
aus der heimischen Wirtschaft der Einladung gefolgt.
Über die Bürgerstiftung haben Sie unsere ehrenamtliche Arbeit unterstützt.
Dadurch wurde Manches erst möglich:
- Sprachförderung, Schulung Ehrenamtlicher in asylrechtlichen Fragen,
- Ausflüge für Familien, Teilnahme am Bürgerbrunch,
- Fahrradreparaturen und -übergaben an Geflüchtete,
- besondere Hilfen in Einzelfällen, sportliche Aktivitäten u.v.m.


Herzlichen Dank sagen wir Ihnen dafür auch im Namen der Geflüchteten. Unsere Preisgelder – das sei nebenbei erwähnt - fließen natürlich komplett wieder in die ehrenamtliche Arbeit.


Sie haben sicher Verständnis dafür, dass ich diese Gelegenheit nutzen muss, Ihnen weitere Wünsche für Geflüchtete in Gütersloh anzutragen. Ausbildung und Arbeit stehen ganz oben auf deren Wunschliste.


Wir bitten alle Arbeitgeber vor Ort:
- ermöglichen Sie noch mehr Geflüchteten, über Praktika Arbeitsplätze
kennenzulernen.
- Berücksichtigen Sie Geflüchtete und ihre besondere Situation bei der Vergabe von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Sie stärken damit ihre Selbstachtung, die viele angesichts deprimierender Erfahrungen zu verlieren drohen.
Insbesondere auch alleinstehende Geflüchtete suchen Wohnungen. Können Sie sich als Türöffner sehen z.B. bei alten Menschen, die oft ängstlich vor Einbrechern allein in großen Wohnungen oder Häusern wohnen?
Lassen sich vielleicht einige davon überzeugen, dass sie selbst viel gewinnen können, wenn Sie sich auf von Ehrenamtlichen begleitete Flüchtlinge als Mieter einlassen?


Flüchtlinge brauchen Schutz, z.B. wenn sie entgegen aller kriminalstatischen Erkenntnis pauschal als bedrohlich für die innere Sicherheit diskriminiert werden.
Straftaten sollen sanktioniert werden - egal wer sie verübt hat.
Mittelalterliche Pranger können wir auch im Internet nicht tolerieren.


Wir bitten Sie: Begleiten Sie mit kritischer Aufmerksamkeit die Flüchtlingspolitik!
- Können wir wirklich zufrieden sein, wenn weniger Schutz Suchende nach Europa kommen?
Wollen wir uns beruhigen lassen mit Forderungen nach sicheren Außengrenzen und über die damit verbundenen unglaublichen Menschenrechtsverletzungen hinweg
sehen?
- Können wir stumm bleiben, wenn immer mehr Staaten einfach zu sicheren Herkunftsländern erklärt werden mit der Folge, dass bei BAMF-Entscheidungen Asylbewerber mit entsprechenden Textbausteinen pauschal ablehnend beworfen werden?
- Wollen wir uns abspeisen lassen mit allgemeinen Absichtserklärungen zur Bekämpfung von Fluchtursachen, wenn damit eher Flüchtlinge bekämpft als lebenswerte Bleibeperspektiven für die Menschen im Herkunftsland gefördert werden?


Wenn wir von unseren Abgeordneten und der Regierung Einsatz für den praktischen
Schutz von Menschenrechten fordern, wenn wir uns gegen den Trend zur rein ökonomischen Bewertung aller Lebensbereiche und für stärkere Berücksichtigung humanitär sozialer Belange einsetzen, wenn wir uns gemeinsam stark machen für ein offenes, vielfältig buntes, fair aufgestelltes Gütersloh, dann stehen wir nicht nur den Geflüchteten bei. Wir stärken damit, da bin ich mir sicher, auch unsere wertvolle Demokratie.
Wir Preisträger freuen uns über die Ehrung. Wir nehmen sie stellvertretend für die vielen Ehrenamtlichen entgegen, die wie wir Geflüchtete begleiten und unterstützen. Auf anschließende Gespräche mit Ihnen auch mit ihren kritischen Fragen freuen uns
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und bedauere, dass ich Ihnen keine leichtere
Kost anbieten konnte. Vielleicht gelingt das meiner Kollegin Nesrin Sayar, wenn sie beispielhaft darstellt, wie sie
Flüchtlinge unterstützt.


Ernst J. Klinke

"Integration für Alle"

Liebe Besucher unseres Internetauftritts,

der Jahreswechsel 2015/16 war geprägt durch eine hohe Anzahl von Geflüchteten, die unserer Stadt zugewiesen wurden. Die Schwerpunkte des AK-Asyl lagen demzufolge in der Begleitung der Geflüchteten bei der Asylbewerbung, der Sprachförderung, der Unterstützung bei den Einschulungen, der Unterstützung beim Bezug ihrer Unterkünfte, der Begleitung bei Arztbesuchen sowie in der Unterstützung in allen Fragen des täglichen Lebens.

Bedingt durch die zunehmende Anzahl an Anerkennungen durch das BAMF und der damit verbundenen wegfallenden Versorgung der Geflüchteten durch den Bereich "Materielle Hilfen" der Stadt Gütersloh erweiterte sich das Aufgabenspektrum des AK insbesondere um Themen wie die Begleitung bei der Beantragung Leistungen beim Job Center, die Unterstützung bei der Vermittlung von Sprachförderungen und Integrationskursen. Gleichzeitig wurde unser Angebot an kostenfreien Sprachförderungen im „Haus der Kirche“ nochmals deutlich ausgeweitet.

Nun sind inzwischen weitere 12 Monate ins Land gegangen und eine Vielzahl der Geflüchteten haben sich bereits hinreichende Kenntnisse in der deutschen Sprache angeeignet, so dass wir vom AK es für erforderlich ansahen, den nächsten Schritt im Rahmen der Integration der neuen Bürger unserer Stadt vorzubereiten. Im Rahmen der letzten Arbeitssitzung des AK Asyl wurde nach kurzer Beratung demzufolge die Entscheidung getroffen, das Angebot des AK um die beiden Themen „Arbeitsmarktintegration“ und zeitlich nachfolgend „Wohnungsbeschaffung“ zu erweitern. Über die Einzelheiten (Herausforderungen, Erfolge und Probleme) werden wir Sie zukünftig hier auf Ihrer Informationsseite, wie gewohnt, in regelmäßigen Abständen auf dem Laufenden halten. Starten werden wir mit zwei Berichten über die Besuche bei den Firmen Miele in Gütersloh und Class in Harsewinkel.

Viel Spaß beim Lesen Ihr Online Redaktionsteam

14.11.2017 - Protokoll des letzten Treffens des AK

Liebe Besucher unseres Online-Auftritts,

anliegend das Ergebnisprotokolls des letzten "Offenen Treffens" des Arbeitskreises vom 14.11.2017.

mit freundlichen Grüßen

Ernst J. Klinke

Umkehr in der Flüchtlingspolitik fordern!

Liebe Aktive in der Flüchtlingsarbeit, liebe KollegInnen,

Bislang haben über 350 Initiativen und Einzelpersonen aus ganz NRW das Forderungspapier zur Gestaltung notwendiger Rahmenbedingungen in der Flüchtlingsarbeit unterzeichnet. Ein starkes Zeichen dafür, dass sich Ehrenamtliche als GestalterInnen der aktuellen Flüchtlingspolitik sehen. Wir sind jedoch der Überzeugung, dass 350 Stimmen die Vielfältigkeit und Stärke des Engagements für Flüchtlinge in NRW bei weitem noch nicht wiederspiegeln - wir sind viele! Damit diese Vielfältigkeit zum Ausdruck kommt, muss die Liste der UnterzeichnerInnen länger werden!

Bis zum 31.12.2017 kann das Forderungspapier online unterzeichnet werden oder Unterschriftenlisten können an die Geschäftsstelle des Flüchtlingsrats NRW geschickt werden. 

Anfang des Jahres 2018 soll das Forderungspapier u.a. an die Landesregierung gesandt werden. Wir haben zentrale Forderungen an EntscheidungsträgerInnen sowohl auf Landes- als auch auf kommunaler Ebene formuliert, die unter anderem Themen wie Arbeitsmarktzugang, Unterbringung, Bildung und Bleiberechtsmöglichkeiten adressieren. Wir fordern eine Umkehr in der Flüchtlingspolitik, um jedem Menschen ein nachhaltiges Ankommen zu ermöglichen. Wir wollen weder HandlangerInnen noch gesellschaftliche Vorbilder im Namen der aktuellen Flüchtlingspolitik sein. Die Rahmenbedingungen durch die Politik müssen neu justiert werden.

Der Flüchtlingsrat NRW und die Unterzeichnenden freuen sich über weitere Unterstützung!

Mit besten Grüßen, Ihr/Euer Flüchtlingsrat NRW

Unterschriftenformular fuer das Forderungspapier

Flüchtlingsrat NRW e.V. Wittener Straße 201 44803 Bochum  

Telefon: 0234-587315- 60

Fax: 0234-587315- 75

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