"Von außen betrachtet - Gedanken vom Mattenrand" - ein Gastbeitrag von Besuchern unseres Internetauftritts

2017 ist ein Wahljahr - ein Super-Wahljahr eigentlich.Nicht nur in NRW, Schleswig-Holstein oder im Saarland, auch auf Bundesebene und in anderen europäischen Ländern wurde und wird gewählt. Eigentlich haben wir wohl eine Wahl-EM oder sogar WM? Für uns geht das Spiel -um bei diesem Bild zu bleiben- nun in eine entscheidende Phase, oder anders ausgedrückt: Die Wahl nähert sich langsam aber sicher den Finalkämpfen. Und: natürlich tut jeder alles für sein Team, natürlich ist jeder von seinem Ansatz, von seiner Taktik überzeugt und natürlich will man den Gegner übertrumpfen, für sich werben… - das gehört einfach zum Wettkampf dazu.
Aber aus irgendeinem Grund hat sich dieses Spiel, dieser Wettkampf verändert. 2017, da spielt man offensichtlich anders, aggressiver. Dies ist ganz deutlich zu merken.
Im Wahljahr 2017 scheinen alle Tabus gefallen zu sein. Der Ton ist rauer geworden, nicht nur in der politischen Diskussion auf nationaler oder internationaler Ebene, nein, auch da, wo sich die ganz normalen Menschen treffen: auf der Straße, in den Cafés oder Kneipen, in den sozialen Medien. Iimmer wieder und immer öfters  sieht man sich demzufolge mit Angst und Hass konfrontiert. Immer häufiger hört man von diesem DIE und WIR.DIE, die fremd sind und schuld an allem, und WIR, die sich endlich wehren müssten. Die Welt scheint aus den Fugen zu sein, sie lässt uns schwanken und verzweifelt nach einem Halt suchen-oder zumindest nach Etwas oder Jemandem, dem wir die Schuld für all dieses geben können.
Dabei hatte doch alles mit diesem einen Ausspruch unserer Bundeskanzlerin, diesem einen Akt einer lang vermissten menschlichen Politik begonnen, der ein Grund sein sollte, letztendlich stolz zu sein. Dieses: „Wir schaffen das“ und „In dieser Situation haben wir die Pflicht zu helfen“. Egal, welche Intention tatsächlich dahinterstand, vielleicht war es ein Versehen, vielleicht war es nicht ernst gemeint oder vielleicht doch ein Moment der Zuversicht und Rührung. Egal, für einen Moment konnte die Bundesregierung bewirken, dass viele Menschen unseres Landes offen, freundlich und herzlich auf diejenigen zugingen, die nach einer langen, gefährlichen und Kraft zehrenden Flucht in unserem Land erschöpft und verängstigt ankamen. Die Geflüchteten waren diejenigen, die Hoffnung und Liebe so dringend benötigten.

Aber allzu schnell verwelkten die Blumen, die zur Begrüßung der Ankömmlinge, als Symbol der Liebe und Freundschaft mitgebracht wurden, ebenso wie die Zuversicht vieler dieser Menschen abnahm. Wie konnte dies geschehen? Vielleicht war die Enttäuschung vieler Helfer über das Verhalten einzelner Geflüchteter zu groß? Vielleicht waren die kulturellen Unterschiede und Gewohnheiten der Geflüchteten zu groß? Vielleicht war die vermutete Bedrohung durch die Geflüchteten zu groß, zu bedrohlich, zu angsteinflößend?!

Zweifel und Fragen kamen auf: Erschweren DIE unser Leben? Werden WIR ausgenutzt? Haben WIR nicht das Recht uns dagegen zu wehren? Auch Politiker, die für ein offenes und tolerantes Deutschland und Europa stehen, scheinen sich in diesen Tagen häufig nicht anders zu helfen wissen als auch vereinzelte populistische Entscheidungen zu treffen, die für die einzelnen Schicksale so unmenschlich und herzlos sind.

Helfen diese Entscheidungen im Kampf gegen diesen auf Hass, Angst und Misstrauen aufgebauten Wahlkampf der demokratie- und europafernen Parteien?

Sollen blinder Hass und Angst wirklich dieses Spiel -diesen Wahlkampf- bestimmen? Ein Wahlkampf, der entscheidend für UNSERE Zukunft, UNSEREN Alltag und UNSER Zusammenleben sein wird!

Vielleicht ist es für den Anfang hilfreich ein wenig zurückzutreten und den Blick in eine Sporthalle zu wenden, eine von vielen, denn bis hierhin zeigten sich die Auswirkungen der sogenannten Flüchtlingskrise.
Wir sind Judokas. Judo ist ein japanischer Kampfsport. Übersetzt bedeutet Judo: „Der sanfte Weg“, auch wenn es auf der Judomatte wirklich nicht immer sanft zugeht. Uns begegnete die eben erwähnte „Flüchtlingskrise“ im Januar 2016: Vier junge Männer aus Afghanistan besuchten uns während des Trainingsbetriebes in der Halle und baten mit den wenigen Worten Deutsch, die sie seit ihrer Ankunft in Deutschland gelernt hatten, darum beim Training mitmachen zu dürfen. Diese Möglichkeit haben wir ihnen -wie viele andere Vereine auch- gerne geboten.
In unserem Sport ist es üblich, dass wir uns -entsprechend der japanischen Tradition- vor unserem Trainingspartner und auch vor unserem sportlichen Gegner verbeugen. Damit drücken wir unseren Respekt für einander aus. Diese Verbeugung, dieser Respekt für einander bestimmte auch den Umgang mit diesen aus einem fremden und von Gewalt und Krieg bestimmten Land geflohenen Menschen. Nach und nach merkten wir, dass es sich hierbei nicht nur um eine leere Geste handelte, sondern um eine ehrliche und ernstgemeinte. Auch wenn unsere erste Begegnung mit den jungen Afghanen wortlos war, so war sie doch durch die traditionelle Verbeugung mit einer respektvollen und offenen Geste verbunden, die von beiden Seiten getragen wurde.
Fehlen die Worte, dann können so kleine Gesten wie aufeinander zugehen, die Hand reichen oder auch eine sportliche Verbeugung voreinander einen respektvollen Anfang schaffen. Vielleicht ist das entscheidend.
Es dauerte nicht lange und unsere neuen Sportkameraden fanden Worte in unserer Sprache, zeigten uns durch ihr Verhalten, durch ihr Bemühen, durch ihre Zuverlässigkeit, durch ihren Respekt, ihre Dankbarkeit und ihre Freude, dass es sich gelohnt hat und dass es richtig war mit offenem Herzen auf einander zuzugehen.
Wir haben neue Freunde gefunden, Freunde, die zu uns stehen und zu denen wir stehen, Freunde, mit denen wir lachen, Spaß haben und feiern können. Wir haben Freunde gefunden, die für uns -sprichwörtlich- ihr letztes Hemd geben, um uns zum Essen einzuladen, oder um uns eine Freude machen zu können. Freunde, die uns vertrauen, die von ihren Erlebnissen erzählen, ihre Ängste und Träume mit uns teilen. Und damit haben sie uns eines der größten Geschenke überhaupt gemacht: Wir haben die Chance auf eine neue Sichtweise bekommen, denn unsere Freunde haben uns bewusstgemacht, dass wir hier -in unserer Heimat, in dem Land, in dem wir ohne unser Zutun oder unseren Verdienst geboren wurden und leben- vom Schicksal geküsst wurden. Wir haben innegehalten, zugehört und begriffen, wie schön es hier ist, zusammen mit unseren Freunden, die uns erst darüber nachdenken ließen.
Was sie uns sagten, das uns zum Umdenken oder Neudenken brachte? Was ist so besonders an dieser neuen Freundschaft? Ganz einfach!
Wenn einer unserer neuen Freunde, fast so überwältigt vor Freude, weil er mit uns feiern gehen kann, mit Tränen in den Augen darüber sinniert, dass das Schöne an Deutschland sei, dass man sich hier nicht verstecken muss, dass man offen zeigen darf, wer man wirklich ist und was man denkt und sich deswegen nicht fürchten muss, deswegen verfolgt oder gar getötet zu werden, das ließ und lässt uns innehalten.
Oder wenn unsere Freunde uns an ihrem Abendessen teilhaben lassen und uns nahezu alles geben, was ihr Gabentisch zur Verfügung hat, uns freudestrahlend ansehen und uns sagen, dass wir wie eine Familie für sie sind und sie uns dann von ihren Familien und Freunden in Afghanistan erzählen, dann begreifen wir, dass Frieden schön ist. Wir brauchten nie Angst um unsere Kinder, Freunde und
Familien haben, wir mussten uns nicht dazu entschließen unsere Familien und Freunde zu verlassen oder sie auf die Reise in eine bessere Zukunft in einem fremden Land zu schicken, weil wir sie lieber deshalb nicht bei uns haben, um sie nicht irgendwann beerdigen zu müssen. Wir mussten nicht in einem vom Krieg und Gewalt zerfressenen Land aufwachsen. Wir hatten Glück, wir wurden wirklich vom Schicksal geküsst.
Das soll nicht heißen, dass es hier jeder Mensch leicht hat, dass es hier immer fair zugeht, dass es hier keine Schicksalsschläge gibt. Aber das soll heißen, dass es hier Chancen und ein wenig Hoffnung gibt, für uns alle.
Zurück in die Sporthalle, zurück auf die Judomatte. Was verbindet nun unser Zusammenleben im Verein mit der nationalen und auch internationalen Politik? Vielleicht bietet der Blick aus der Sporthalle nicht viel, aber vielleicht einen Ansatz. Vielleicht sollten wir alle innehalten, für einen Moment nicht danach fragen, woher jemand kommt, welche Religion oder vielleicht sogar welche Sexualität er oder sie hat oder vertritt. Vielleicht sollte sich unser Denken und Handeln am Sport orientieren. Beim Sport begegnen wir uns als Sportler: Auf dem Fußballplatz als Spieler, in der Schwimmhalle als Schwimmer, auf der Judomatte als Judoka. Niemand fragt nach Nationalität, Religion oder Hautfarbe. Das was hier zählt, ist einerseits die sportliche Leistung, andererseits und dies ist noch viel entscheidender der gegenseitige Respekt für einander, ungeachtet jeder sportlichen Rivalität.

Im Breitensport spielt die jeweilige Nationalität oder Hautfarbe erfreulicherweise keine Rolle. Egal ob wir Deutsche, Engländer, Franzosen, Afghanen oder Bürger einer anderen Nationalität sind; wir sind vor allem Sportler, Freunde und Kameraden.

Also: vielleicht sollten wir auch außerhalb der Sporthallen und -plätze umdenken und uns einfach mit mehr Respekt begegnen. Denn Respekt nimmt beide Seiten in die Verantwortung, Respekt ist nicht selbstverständlich, Respekt muss gepflegt werden, aber Respekt kann der Anfang sein, für etwas Großes - ungeachtet jeder Nationalität.
Vielleicht also sollten wir uns mit mehr Respekt vor- und füreinander unterhalten und begegnen, auf den Straßen, in den Cafés, in den Kneipen, in den sozialen Medien, da, wo wir einfachen Menschen uns begegnen.
Und auch den politischen Diskussionen täte ein bisschen mehr Respekt füreinander, vor den Menschen und ein Innehalten gut: Denkt nicht in diesen zwei Kategorien von WIR und DIE oder SCHWARZ und WEISS, argumentiert nicht mit Hass oder Angst. Sicher, diese Strukturen funktionieren gut, das haben sie schon vor Jahrzehnten und Jahrhunderten, zuletzt in den 1930ern. Das ist aber bestimmt nicht die Grundlage, auf der wir unsere gemeinsame Zukunft aufbauen wollen.
Diese Gedanken werden sicherlich keinen großen Einfluss auf bevorstehende politische Wahlen oder grundsätzliche Einstellungen haben, aber das ist auch gar nicht der Anspruch.
Das hier sind nur Gedanken aus einer Sporthalle- vom Mattenrand. Gedanken, die sich nur auf einen kleinen Bereich unseres Lebens beziehen. Gedanken, die vielleicht bei dem einen oder anderen der Leser einen Moment des Innehaltens, einen kleinen Gedankenstrich hervorruft und vielleicht bewirken, dass der- oder diejenige diese Sache mit dem Respekt einfach mal versucht.

Vielen Dank für den Gastbeitrag von: Nina Naujoks, Sven Belau, Laura Homuth und Thomas Dörscheln

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Wenn Geflüchtete Deutsch lernen – eine ehrenamtliche Sprachlehrerin berichtet

Montag, kurz nach 10 Uhr am Haus der Kirche in Gütersloh.

Vor dem Eingang parkt der Bulli mit einer Lieferung für das Trödelhaus, im Haus selbst herrscht auch geschäftiges Treiben in den Räumen und auf den Gängen. Einige Türen stehen offen, geben den Blick frei auf Menschen verschiedener Nationalitäten, die sich auf ihren Unterricht vorbereiten. Aber auch in den Fluren sind viele unterwegs zu ihren jeweiligen Kursen oder auch zur Flüchtlingsberatung der Diakonie, die hier auch ihren Sitz hat.

Da vormittags die Räume alle belegt sind, unterrichte ich meine Gruppe im Begegnungsort „Cafe Connect“. Da ich nur montags Zeit habe, die Schüler aber täglich lernen möchten, engagieren sich insgesamt allein für diese Gruppe  4 Ehrenamtliche. Im Cafe Connect warten schon die ersten Schüler, die alle in die erste Lernstufe A1 eingeordnet wurden. Da kommen schon fast so viele Nationalitäten wie Teilnehmer zusammen, Deutsch ist die Verkehrssprache. Umso wichtiger für alle, alltagstauglich kommunizieren zu können. Verschiedene Altersgruppen, Frauen, Männer, sogar ihre kleinen Kinder, die nicht anderweitig untergebracht werden können, sitzen am Tisch (die Kinder nutzen auch schon mal die Spielecke). In einer fröhlichen, aber konzentrierten Arbeitsatmosphäre erarbeiten wir einen praxisorientierten Wortschatz, wie man ihn z.B. beim Einkaufen oder beim Arztbesuch benötigt.  Dankenswerterweise konnten wir mithilfe von Spenden geeignetes Lehrmaterial anschaffen. Ich ergänze das gern durch Alltagsgegenstände, Bilder oder auch Lebensmittel, die wir zu einem Obstsalat verarbeiten und dann gleich Sprechanlässe finden („die Weintrauben sind sauer!“).

Da nur Flüchtlinge aus den Ländern Iran, Irak, Somalia, Syrien und Eritrea aktuell Anspruch auf Integrationskurse haben (diese Einstufung wird jährlich neu vorgenommen), schließen wir mit unserem ehrenamtlichen Angebot eine Lücke in der Versorgung von Geflüchteten, denn natürlich müssen sich alle hier bewegen und verständigen können. Auch Geflüchtete, die einen Integrationskurs besuchen, kommen gern zusätzlich in die Kirchstraße, um ihren Wortschatz weiter ausbauen und anwenden zu können.

Aktuell werden in Aktuell werden in 6 Kursen täglich bis zu 50 Geflüchtete in unseren Räumen unterrichtet, womit wir uns was unsere Lehrkapazität anbetrifft momentan am Limit bewegen. Aufgrund der großen Nachfrage würden wir gern auch Nachmittagskurse anbieten, hierzu benötigen wir aber weitere Ehrenamtliche, die jeweils für 1,5 Stunden unterrichten würden. Ein Pädagogikstudium ist dafür nicht erforderlich,  eine Einarbeitung ist gewährleistet. Wer Interesse hat, kann gern einmal unverbindlich hospitieren kommen. Nutzen Sie dafür das Kontaktformular auf unserer Homepage.

"Stein auf Stein"

Liebe Besucher unseres Internetauftritts.

Auch in diesem Monat möchten wir Ihnen ein Beispiel unserer Integrationsarbeit vorstellen. Ein Beispiel, das Mut machen soll nach mehr.

Angefangen hatte alles im Januar 2016 als ein von unseren Helfern begleiteter Geflüchteter zusammen mit seiner Ehefrau in Gütersloh ihr neues Zuhause gefunden haben. Bereits nach einem etwa dreimonatigen Aufenthalt in einer Sammelunterkunft konnten wir für das inzwischen anerkannte Paar mit Unterstützung des Wohnungsamtes eine kleine Wohnung zur Anmietung finden. Nach der erlebten Enge und Unruhe  in der Sammelunterkunft war die Freude des Paars über ihr neues Zuhause verständlicherweise sehr groß. Auch die Plätze für einen Sprachkursus konnten sehr schnell gefunden werden.

Der Geflüchtete hatte jedoch den Wunsch, so früh wie eben möglich einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Deshalb besuchte er zusätzlich zu seinem Sprachkursus bei der VHS auch eine entsprechende Sprachförderung unseres Arbeitskreises, um das in seinem Sprachkurs bereits Erlernte zu vertiefen und zu ergänzen. Nach erfolgreicher Absolvierung seiner "A1" Sprachprüfung haben wir ihn bei seinen Überlegungen unterstützt, seinen Weg in den Arbeitsmarkt zu finden. In seiner Heimat hatte er den Beruf eines Frisörs ausgeübt. Da die beruflichen Perspektiven in diesem Berufsfeld in Deutschland nicht einfach sind und der Geflüchtete verständlicherweise einen Beruf mit einer guten Beschäftigungsperspektive suchte, hat er sich nach reiflicher Überlegung dafür ausgesprochen, seine Zukunft im Bauhandwerk zu suchen. Gesagt, getan!

In Abstimmung mit seiner Betreuerin vom Job Center haben wir vom AK-Asyl den Geflüchteten daraufhin unterstützt, einen Praktikumsplatz zu finden. Die Suche nach einem Praktikumsplatz gestaltete sich im Ganzen schwieriger als erwartet. Auf die von uns breit angelegte Praktikumsanfrage bei möglichen Bauunternehmen in unserer Stadt sowie im Nahbereich von Gütersloh erhielten wir genau zwei Zusagen für ein Bewerbungsgespräch. Verwundert hat uns dies schon, da der angebliche Fachkräftemangel doch seit Jahren in aller Munde ist. Die beiden Betriebe, bei denen sich der Geflüchtete vorstellte, boten ihm nicht nur einen Praktikumsplatz, sondern zu unserer Überraschung gleichzeitig auch eine Perspektive auf einen Ausbildungsplatz an. Auch die Forderung des Job Centers, dass die sprachliche Förderung fortgeführt werden müsste, wurde von den beiden Unternehmen in vollem Umfang unterstützt. Nach einer kurzen Zeit der Überlegung hat sich der Geflüchtete dann aus Gründen der Erreichbarkeit letztendlich für das Angebot des in Gütersloh angsiedelten Unterenehmens entschieden. Nachdem ein Praktikumsplatz gefunden war, kümmerte sich das Job Center in Zusammenarbeit mit dem Ausbildungsbetrieb um alle nun noch erforderlichen Formalitäten.

Nachdem diese erledigt waren, konnte der Geflüchtete bereits zum Ende Oktober 2016 mit seiner Praktikumstätigkeit (halbtags) starten. In der zweiten Tageshälfte bereitete sich der Geflüchtete auf seine anstehende "A2" Sprachprüfung vor, die er inzwischen erfolgreich absolviert hat. Nach Abschluss des Praktikums Mitte Dezember 2016 einigten sich der Ausbildungsbetrieb in Verbindung mit der Handwerkskammer Gütersloh und das Job Center darauf, dem Geflüchteten bis zum Start seiner angestrebten Ausbildung im August 2017 eine zusätzliche Qualifizierungsmaßnahme zur Überbrückung anzubieten. Die Fördermaßnahme beinhaltet eine berufliche Qualifizierungs- sowie sprachliche Förderkomponente. 

Die derzeitige EQ Maßnahme des Job Center endet geplant im Juli 2017. Sollte der von uns begeleitete Geflüchtete auch in dieser Ausbildungsphase seinen Chef durch seine gezeigten Leistungen und seinen beruflichen Einsatz überzeugen, wovon wir überzeugt sind, dann startet er unmittelbar nach Abschluss der momentan laufenden Fördermaßnahme zum 1. August mit seinem ersten Ausbildungsjahr. Natürlich werden wir vom AK-Asyl ihn auch in dieser neuen Lebensphase mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Gleichzeitig hoffen wir natürlich, dass dieses Beispiel einer gelungenen beruflichen Integration zukünftig weitere in unserem Kreis ansässigen mittelständischen Handwerksbetrieben und kommunale Dienstleister ermuntert, zusätzliche Praktikums- und Ausbildungsplätze anzubieten.

"Hurra - wir erwarten Nachwuchs"

Wenn ein Ehepaar Nachwuchs erwartet, dann ist dies im Allgemeinen ein Grund zur Freude. So sicherlich auch für die vielen Paare und Familien, der bei uns in Gütersloh angekommenen Geflüchteten. Am Beispiel einer von den Helfern des AK-Asyl begleiteten Familie möchten wir verdeutlichen, wie diese Freude jedoch sehr schnell in Stress und Enttäuschung umschlagen kann, wenn nicht zur rechten Zeit die richtigen behördlichen Schritte veranlasst werden.

Was war im konkreten Fall geschehen und was hätte dies beinahe zur Konsequenz gehabt?

Das hier als Beispiel angeführte Paar, beide nach islamischen Recht verheiratet, erwarteten Mitte des letzten Jahres Nachwuchs. Die dem Standesamt nach der Geburt vorgelegte übersetzte Heiratsurkunde sowie die Auszüge aus den Familienstammbüchern wurden von dem Standesamt unserer Stadt auf Grund der fehlenden Legalisierung durch die deutsche Botschaft in Beirut nicht anerkannt. Für die Familie hatte dies zur Konsequenz, dass dem Wunsch der Eheleute nicht entsprochen werden konnte, für den Nachwuchs den Familiennamen des Vaters eintragen zu lassen. Um diesen Wunsch der Eltern letztendlich doch noch erfüllen zu können, forderte das Standesamt, dass der Vater das Sorgerecht sowie die Vaterschaft für das Kind beantrage und sich zusätzlich einem Vaterschaftstest unterziehe. Nach Rücksprache mit den Eltern wurde sehr schnell deutlich, dass die Auflage, einen Vaterschaftstest durchführen zu müssen, für das Paar eine nicht hinnehmbare Zumutung darstellte.  

Was war schief gelaufen und hätte dies durch eine frühzeitige und umfassende Aufklärung in Zusammenarbeit mit einem Übersetzer vermieden werden können?

Die nach islamischen Recht vollzogenen Ehen werden nach unserem Recht erst nach erfolgter Legalisierung entsprechender Urkunden auf Basis von Übersetzungen durch eine deutsche Botschaft im Heimatland der Betroffenen anerkannt. Das Gleiche trifft auch für die Auszüge aus dem Geburtsregister bzw. den Familienstammbüchern zu. Im Fall des Bürgerkriegsland Syrien muss die Legalisierung ersatzweise bei der deutschen Botschaft in Beirut beantragt werden. Um eine Legalisierung vornehmen zu können, müssen die Betroffenen entweder bei einer deutschen Botschaft in ihrem Heimatsland  persönlich vorsprechen oder ihre Originaldokumente auf einem ungesicherten Postweg zur Legalisierung an die Botschaften schicken. Die erste Möglichkeit scheidet für die Geflüchteten nachvollziehbar im Allgemeinen de facto aus. Die Alternative ist mit einer langen Bearbeitungszeit und einem hohen Verlustrisiko der Originale verbunden.

Nach Rücksprache mit Vertretern der Stadt Gütersloh sowie mit der tatkräftigen Unterstützung der Leiterin des Standesamtes in Gütersloh wurde es dem Ehepaar letztendlich doch noch ermöglicht, dieses Problem für alle Seiten zufriedenstellend zu lösen. Gleichzeitig zeigte uns das Standesamt einen Weg auf, für die Zukunft ähnliche  Probleme im Vorfeld zu vermeiden.

Wie sieht dieser Weg aus, der allen ehrenamtlichen Helfern zukünftig angeraten sein soll?

Sobald sich der erwartete Geburtstermin nähert, spätestens jedoch 8 – 10 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, sollte der Vater beim Jugendamt mit Zustimmung der Mutter die  Vaterschaft sowie das Sorgerecht für das erwartete gemeinsame Kind beantragen. Ist dieses vollzogen, so kann der/die Neugeborene problemlos den Familiennamen des Vaters annehmen.

"Wo ein Wille ist, da findet sich auch ein Weg"

Heute möchten wir den Besuchern unserer Site die Erfolgsgeschichte zweier junger Männer vorstellen, die ihre Familien und ihre Heimat verlassen mussten, um sich letztendlich doch noch ihren Berufswunsch erfüllen zu können.

Kennengelernt haben sich die beiden jungen Männer und angehenden Bauingenieure während ihres Studiums in Aleppo. Ihr gemeinsamer Studien- und Berufswunsch war ein Masterabschluss im Bereich "Civil Engineering/Bauingenieurwesen". Nach erfolgreicher Absolvierung ihres Grundstudiums mussten die beiden jungen Männer erkennen, dass eine Fortführung ihres Studiums in Aleppo auf Grund der zunehmenden Kriegshandlungen aussichtslos war. Nach Rücksprache und mit Unterstützung ihrer Familien haben sich die beiden jungen Männer im Sommer 2015 dann auf den gefährlichen Weg übers Mittelmeer und die Balkanroute nach Deutschland begeben. Dort erhofften sich die Beiden, ihren Berufswunsch doch noch erfüllen zu können.

Angekommen in Deutschland fanden die jungen Männer in Gütersloh ihre neue Heimat. Nun hieß es erst einmal die deutsche Sprache zu lernen, denn sie wussten, dass sie nur mit guten Deutschkenntnissen eine Chance hatten, sich für ein Masterstudium in Deutschland einschreiben zu können.Und auch diesmal bewahrheitete sich, wer wagt der gewinnt. Die Anerkennung als Geflüchtete erhielten die Beiden noch im Jahr 2015 und somit auch den Zugang zu einer vom BAMF finanzierten Sprachförderung. Das Berufsziel fest im Auge, legten die Beiden auch beim Erlernen der deutschen Sprache ein enormes Tempo vor, so dass sie bereits nach etwas über einem Jahr ihr Sprachzertifikat C1 erhielten und somit ein wesentliche Zugangsvoraussetzung für die Einschreibung an einer deutschen Universität erfüllen konnten.

Begeistert von der Zielstrebigkeit der beiden jungen Männer, erhielten die Beiden immer wieder die notwendige Unterstützung, sei es von den Mitarbeitern des Jobcenter Gütersloh sowie der Ausländerbehörde der Stadt Gütersloh, ebenso wie aus dem Kreis der ehrenamtlichen Helfer des AK-Asyl. Nachdem alle formalen Voraussetzungen für die Fortführung ihres Studiums erfüllt waren, mussten sich die Beiden nun um einen geeigneten Studienplatz bewerben. Auch in dieser Phase erhielten die Beiden die verdiente Unterstützung aus dem Kreis der Helfer des AK.

Und auch diesmal war das Glück auf Seiten der Beiden. Vergleichbar einem Sechser im Lotto erhielten die bereits zum Anfang dieses Monats ihre Zusage für einen Studienplatz zum Sommersemester 2017 und damit die Möglichkeit, sich ihren beruflichen Lebenswunsch trotz aller erfahrenen Widrigkeiten in ihrer Heimat erfüllen zu können.Nicht nur die Familien der Beiden, denen es inzwischen wieder ein wenig besser geht, freuten sich riesig über das Erreichte. Auch die Wegbegleiter hier in Gütersloh gratulieren den Beiden zu ihrer tollen Leistung und wünschen ihnen auch weiterhin viel Erfolg auf ihrem Lebensweg.

Und nun heißt es schon bald ".... und tschüss mit dem Wunsch auf ein erfolgreiches Wiedersehen spätestens in 2020". Auch wenn die Beiden nun die nächste Etappe auf Ihrem Lebensweg alleine gehen müssen, werden sie auch weiterhin die erforderliche Rückendeckung aus Gütersloh erhalten.

Was lernen wir daraus im Hinblick unserer Bemühungen für eine erfolgreiche berufliche Integration unserer Geflüchteten, die sicherlich in diesem Jahr noch deutlich verstärkt werden muss:

"Wo ein Wille ist, da findet sich auch ein Weg, wenn nur alle an einem Strang ziehen".

Begleitung und Unterstützung geflüchteter Familien in Gütersloh

Mein Name ist Elke Schmidt-Terkhorn und ich war bis vor zwei Jahren als Grundschullehrerin tätig. Ich wohne in der Nähe der Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte in der Holzheide.
Nach meiner Pensionierung vor zwei Jahren habe ich Kontakt mit drei in der Holzheide ehrenamtlich tätigen Frauen aufgenommen.
Da ich schon bisher ehrenamtlich in der evangelischen Kirchengemeinde engagiert war, nahm ich auch Kontakt mit dem Arbeitskreis Asyl auf. In diesem AK bin ich inzwischen Mitglied.
Jeden Montag und Donnerstag in der Zeit von 15.00 bis 18.00 Uhr machten wir den etwa 20 Flüchlingskinder Spielangebote. Besonders beliebt waren die in dieser Zeit von uns zur Verfügung gestellten Fahrräder, Laufräder und Roller. Dabei kam ich schnell auch in Kontakt mit den Eltern und erfuhr von ihren Problemen. Einige Kinder mussten noch in der Schule angemeldet werden und die kleineren Kinder waren noch nicht bei " Little Bird " für einen Kita- Platz vorgemerkt. Diese Anmeldung im Little Bird Portal läuft nicht innerhalb der Ämter im Rathaus, sondern muss einzeln von jeder Flüchtlingsfamilie vorgenommen werden. Also beriet und begleitete ich die Familie zu den Anmeldungen und kümmerte mich um nötige Ausstattung und Beantragungen.
Mitte bis Ende des Jahres 2015 bekamen die meisten Familien mit Kindern aus dem alten E-Werk der Holzheide eine Wohnung in Blankenhagen oder in der Prekerstraße.
Fast zeitgleich wurden viele neue Flüchtlingsfamilien in Wohnungen im  Spiekergarten in Blankenhagen untergebracht. Dabei begleitete ich die Familien zum Kommunalen Integrationszentrum des Kreises und zu notwendigen schulärztlichen Untersuchungen. Daraus folgten die Vorstellungen in den Schulen, Anmeldungen in den jeweiligen Kitas und nötige zu organisierende und begleitende Kinderarzttermine. Zum Glück verfüge ich über einen VW Bulli, so dass ich auch die Möglichkeit habe, größere Familien und Möbel zu transportieren. Durch diese Anmeldesituationen ergaben sich Kontakte mit vielen Schulleitern und Leiterinnen der Gütersloher Kitas und der Frühförderungsstelle in der Marienstraße.
Durch die näheren Kontakte zu den Familien baten Sie mich auch um Hilfe bei Schwangerschaften. So nahm ich mit ihnen auch Kontakt zu den Schwangerschaftsberatungen von Diakonie und Caritas auf.
Ich organisiere häufig Hebammenbegleitung, wenn die Krankenhäuser dieses bei der Entlassung der Babys anraten;
begleite teilweise zu Frauenarztterminen, zu Geburtsterminen und hole Frauen und Neugeborene aus den Kliniken ab. Besonderes bei problematischen Frühgeburten ergeben sich dann weitere Untersuchungen in Bielefeld und Münster. Da es seitens der Stadt, zwar teilweise organisatorische Unterstützung, aber keine praktische Unterstützung gibt, fahre ich die Familien, wenn verordnet, mit ihren neugeborenen Babys auch in die Kinderklink Bielefeld und in das Uni-Klinikum nach Münster.